11. Juli 2020

Spotcheck Halde Deusenberg

Die Halde Deusenberg wurde im Leserbrief am Samstag erwähnt, sagt aber vielen Leser*innen gar nichts. Die Vorstellung wird hiermit nachgeholt.
Und zwar als kleines Experiment nach dem Motto: Ich mach die Welt, wie sie mir gefällt! Das ist bezogen auf journalistische Möglichkeiten, Dinge in dieses oder jenes Licht zu rücken.


Version 1: Kann man machen, muss man aber nicht

Die ehemalige Müllhalde liegt direkt an der Emscher im Dortmunder Stadtteil Deusen. Bei der Anfahrt über den unattraktiven Emscher-Radweg entlang der im Volksmund „Köttelbecke“ genannten Abwasserrinne kommt man irgendwann an einen verheißungsvollen Wegweiser mit dem Hinweis auf eine Mountain Bike Arena.

Ich denke sofort an den Bikepark in Morzine oder ähnliche Kracher und fliege den letzten Kilometer über den schaubigen Schotter zum Ziel, wo mich eine Übersichtskarte der Halde und die dortigen Verhaltensregeln empfangen.

Nach einem kurzen Anstieg – die Halde liegt ca. 110 m ü. NN, erreicht man einen überschaubaren Parcour mit einer viel zu kleinen Startrampe (sowohl von der Grundfläche als auch von der Höhe).

Der auf dem Haldenplan eingezeichnete Single Trail ist bereits seit 2010 eingestampft. Die für die Strecken zuständige Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) begründete das folgendermaßen: „Die Arena ist eine Anlage für Hobby-Fahrer, auch für Kinder und Jugendliche. Die Downhill-Strecke war einfach zu gefährlich.“ Für die Zukunft gibt es laut EDG keine weiteren Planungen für einen Ausbau der Anlage.

Grundsätzlich ist der Zustand der angebotenen Strecken, Elemente und Anlieger gut, allerdings lässt das Angebot deutlich zu wünschen übrig. Die seltsam angelegte 3er Drop-Batterie mit viel zu kurzer Anfahrt hat zu wenig bieten, die Tables und Kurvenabstimmung ist ok.

Wie schon von der EDG erwähnt, richtet sich die Anlage (bei der Namensfindung Bike Arena war wohl der Wunsch Vater des Gedanken) an Einsteiger und Kinder. Dafür ist das Gelände hier oben ausreichend, obwohl Platz für deutlich mehr Varianten und Abfahrten da ist. Dazu kommt, dass weder Bänke noch Mülleimer direkt am Starthügel vorhanden sind. Und den Weg zum einzigen, 100 Meter entfernten Papierkorb schaffen leider nicht alle.

Lass es, es wächst nicht…

Version 2: Klein, aber fein

Sundowner am Deusenberg / Credit @benkraft88

Nur ca. 5 km Luftlinie entfernt vom Dortmunder Hauptbahnhof liegt die Halde Deusenberg. Das Kleinod vor den Türen der Innenstadt diente u.a. als Mülldeponie und Lagerstätte für die Trümmer der im 2. Weltkrieg zerstörten Häuser aus der umliegenden Gegend. Hierdurch wuchs der Hügel auf dem 54 ha großen Areal auf eine Höhe von ca. 110 m ü. NN bzw. 48 m über Niveau.

Hinauf führen diverse Zuwege, deren Steigungen und Längen selbst für Kinder kein Problem darstellen, was den Aufstieg zu dem Bikepark auf dem Plateau der Halde auch für Familien mit den MTB-Nachwuchs attraktiv macht.

Der Deusenberg liegt im Verantwortungsbereich der Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) und aus einer nicht näher genannten Quelle heißt es, dass die Pläne für die Mountain Bike Arena (so auch heute noch der offizielle Name) durch einen enthusiastischen Biker aus der Führungsetage der EDG entstanden sei.

Nur wer die Bilder von der Eröffnung vor Augen hat, kann sich vielleicht vorstellen, warum man seinerzeit einen derart verheißungsvollen Titel gewählt hat. Die Streckenführung des bis 2010 existierenden DH-Tracks hatte durchaus professionelles Niveau, welches am 29. Mai 2003 zum Kick-off die Massen anzog.

2010 entschied sich die EDG die Downhill-Abfahrt zurückzubauen. Der neue Fokus galt Hobby-Fahrern, Kindern und Jugendlichen. Die Strecke war den Verantwortlichen zu gefährlich, denn durch das Gefälle und den Sprungelemente fühlten sich auch immer wieder Anfänger mit unzureichender Schutzausrüstung zu waghalsigen Aktionen verleitet. Und wer hält dafür schon gerne den Kopf hin …

Trotzdem lohnt sich ein Ausflug auf den Deusenberg auch heute noch für Beginner und fortgeschrittene Mountainbiker, BMXer, Slopestyler usw. Denn seit 2012 ist auf dem Plateau ein kleiner, aber feiner und gepflegter Parcours angelegt, der auch Einsteigern schon nach kurzer Zeit Trainingserfolge beschert. Aber bitte immer mit Helm und je nach Anspruch auch zusätzlichen Protektoren!

Ein 3 Meter hoher Starthügel bietet den nötigen Schwung, um wahlweise die hintereinander liegenden Tables zu meistern oder in die Kurvenstrecken mit Anliegern, Rampen und Pumptrackelementen abzubiegen. Eine kleine Dropbatterie ist ebenfalls vorhanden und bietet der Zielgruppe hervorragende Möglichkeiten, an Tricks und Technik zu feilen. Und das bei einem herrlichen Ausblick in die umliegenden Felder und Wiesen, wodurch jedes Vorurteil über das Ruhrgebiet im Keim erstickt wird. Die Strecken werden regelmäßig von der EDG überprüft und bei größeren Schäden wieder instand gesetzt. Hierfür im Namen unserer Community ein herzliches Dankeschön!

Auch die An- und Abfahrt über den von Holzwickede bis nach Dortmund führenden Emscher-Radwegs ist schon lange keine Belästigung für das Geruchsorgan mehr. Seit dem Beginn des Emscherumbaus hat sich der im Volksmund „die Schwatte“ genannte Fluß bereits auf vielen Streckenabschnitten das zurückerobert, was durch die Degradierung zum Abwasserkanal verschwunden schien. Und so lässt sich ein Abstecher auf den Deusenberg auch gut während eines Haldenhoppings praktizieren, da auch z. B. die Halde Hoheward oder das Tetraeder gut über den Emscher-Radweg zu erreichen sind.

Renaturierung statt Betonkorsett

Mein subjektives Fazit:

Pro

  • Für die von der EDG favorisierten Biker sicherlich ein gutes Konzept
  • Einfacher Aufstieg
  • Herrlicher Rundumblick

Contra

  • Das Areal liegt am nordwestlichen Rand Dortmund und ist insbesondere für Kinder und Jugendliche etwas umständlich zu erreichen.
  • Zumindest eine einfache Abfahrt im Singletrail-Style fehlt
  • Der Starthügel ist hinsichtlich Höhe und Breite etwas unterdimensioniert

Aber wie immer gilt: Fahr vorbei und macht euch euer eigenes Bild. Viel Spaß dabei!

Foto Credits @benkraft88 und @jib.flow ✌🏻

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