23. Juni 2021

Ein Ministerium spielt Christkind – Geldsegen für 81 Kommunen

47 Millionen Euro im Rekordtempo bewilligt

Ein wenig erinnert die Nachricht über die zugesagten Fördermittel zur Erneuerung bzw. den Neubau von Sportstätten an das Titelbild des Gebrüder Grimm Klassikers „Die Sterntaler1: Rund 47 Millionen Euro werden vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen (kurz MHKBG) in unserem Bundesland im ersten von zwei Schritten verteilt. Somit dürften sich die Verantwortlichen und späteren Nutzer zumindest virtuell in den Armen liegen und ihren Siegestrunk in Form von Champagner oder der alkoholfreien Robby Bubble-Variante gemeinsam in einer Online-Webkonferenz genießen.

Was haben wir Biker*innen davon? Die Liste der ausgewählten Projekte zeigt eine große Bandbreite, welche glücklicherweise auch einige Pumptracks, Bikeparks und Skateranlagen beinhaltet. Allerdings ist nicht bei allen Projekten auf den ersten Blick zu erkennen, was sich hinter dem Arbeitstitel versteckt. So kann hinter „Aufwertung des XY-Stadion zu einem öffentlichen Sportpark“ oder „Modernisierung des Multifunktionsspielfeldes“ alles Mögliche stecken.

Damit kann man arbeiten

Wenn man sich im Detail anschaut, worauf sich einige der 81 glücklichen Kommunen freuen dürfen, dann darf man ruhig mal mit den Ohren schlackern: 145.000, 213.000 und 239.000 Euro für Pumptracks in Höxter, Münster und Beelen, 427.000 Euro für einen Dirtpark in Oer-Erkenschwick oder schlappe 705.000 Mäuse für einen Pumptrack in Kamp-Lintfort. Keine Ahnung, ob dort teilweise Elemente aus Marmor verbaut werden oder jede zweite Leiste bei den Holz-Obstacles vergoldet wird, aber auch egal. Diese Kommunen haben erst einmal sehr viel richtig gemacht und die Gunst der Corona-Stunde genutzt, welche ein wesentlicher Treiber für das umfangreiche Konjunktur- und Krisenbewältigungspaket ist.

124 Kommunen (noch) ohne Antrag

Dem Programmaufruf aus Juli 2020 folgten 272 Städte und Gemeinden und stellten Anträge für das Programmjahr 2020 und 2021 mit einem Volumen von rund 362 Millionen Euro. Somit war unsere Angst tatsächlich unbegründet, dass die Fördergelder nicht in voller Höhe abgerufen werden. Zu attestieren bleibt allenfalls, dass von aktuell 396 NRW-Kommunen 124 (noch) keinen Antrag gestellt haben. Im zweiten Fördertopf mit Antragsfrist 15. Januar 2021 warten weitere 31 Millionen auf smarte Projekte.

Ob eure Kommune bereits einen Antrag gestellt hat, können wir leider nicht beantworten, da die offizielle Liste des Ministeriums nur die positiv beschiedenen Bewerbungen auflistet (s.u. Anlage 1). Auf jeden Fall lohnt es sich, am Ball zu bleiben, denn nach dem Eckwertebeschluss der Bundesregierung zum Bundeshaushalt 2021 soll der „Investitionspakt Sportstättenförderung“ bis 2024 fortgesetzt werden.

Schnell noch ein kurzer Blick auf die Projekte in Oer-Erkenschwick und Kamp-Lintfort:

Dirtpark Oer-Erkenschwick

Der Wunsch und der Bedarf nach einer adäquaten Anlage stehen in der zum Kreis Recklinghausen gehörenden Stadt am Rande des riesigen Waldareals „Die Haard“ seit Jahren immer wieder auf der Tagesordnung. Nachdem diverse Grundstücke auf Eignung geprüft wurden, ist man schließlich in der Nähe des beliebten Freizeitbads „Maritimo“ fündig geworden. Direkt neben der Sportanlage des TuS 09 wird der Flächennutzungsplan für eine Teilfläche des Waldfriedhofs (Lagerplatz für Material und Fahrzeuge) zugunsten des zukünftigen Dirparks geändert. Weitere Details unter TOP 5 (38. Ratssitzung)

Lageplan Dirtpark Oer-Erkenschwick (erstellt mit OSM)
Konzeptplanung (Quelle: Stadt Oer-Erkenschwick)

Wir haben uns vor Ort umgehört und einige Stimmen eingefangen:

David Breuckmann, 1. Vorsitzender HaardBiker e.V.

David Breuckmann, 1. Vorsitzender HaardBiker e.V.

Uns, als lokaler Mountainbike-Verein, hat die Nachricht über die Förderzusage für den Dirtpark besonders gefreut. Hierdurch wird in unserer Stadt ein wichtiges Angebot für Kinder und Jugendliche geschaffen und ihnen der Weg in den MTB-Sport ermöglicht. Wir blicken positiv in die Zukunft und freuen uns über diesen wichtigen Impuls für unseren Sport in der Region. Sollten wir an irgendeiner Stelle unterstützen können, stehen wir dem Projekt mit Rat und Tat zur Seite.


Knut Behrend, Trainer MTB-AG WBG

Was lange währt, wird endlich genial! Mit der Zusage des Landes NRW über die Förderung des Bike Parks hat das lange Warten für die Mitglieder der MTB-AG des Willy-Brandt-Gymnasiums wohl bald ein Ende. Seit drei Jahren gab es immer wieder konkrete Hoffnungen einer Umsetzung, aber ein solches Projekt muss eben auch erst in den Köpfen der Verantwortlichen reifen. Umso größer ist nun die Freude am WBG, dass die NRW-Landesmeister der Schulmeisterschaften zukünftig am Rande Ihrer Trails in der Haard auch Drops und Jumps üben können. Unser großer Dank gilt daher dem Team um Bürgermeister Carsten Wewers!

In Kürze werden unsere Jugendlichen als zukünftige Nutzer des Bike Parks zusammen mit den Vertretern der Stadt und dem Planungsbüro aus Münster in die Details einsteigen, damit auf die Wünsche der Kids eingegangen werden kann.


Sascha Olschewski, Begleitung MTB-AG Ewaldschule

Bisher gab es nur die Möglichkeit mit dem MTB in der Haard zu fahren. Schon schön, aber nicht das, was die „jungen Wilden“ sich so vorstellen. Dementsprechend gab es diverse Bautätigkeiten, die verständlicherweise nicht überall auf Gegenliebe stießen. Also waren Sie auf die Eltern angewiesen um z.B. nach Haltern/Recklinghausen (Halde Hoheward/Hoppenbruch) zu kommen, was logistisch natürlich auch nicht immer so einfach ist.

Jetzt gibt es ein Gelände und die erforderlichen Mittel. Und hoffentlich gehen bald die Planungen los, wie das Gelände gestaltet werden soll. Wichtig ist, dass es für jeden etwas gibt. Schöne Sprünge – mit Blick auf die MTB-AG der Ewald-Grundschule vor allem auch für Anfänger geeignet – und eine Fläche mit Holzbauten z.B. Wippen oder kleine Holzbauten zum Balancieren. Schön wäre auch ein Trail rund um das Gelände, gespickt mit Wellen/Anliegern etc.

Ich hoffe das sich zahlreiche Leute mit ihren unterschiedlichen Wünschen an den Planungsgesprächen beteiligen und natürlich später auch beim Bau/Pflege der Anlage: Denn eines ist klar, es wird immer was zu tun sein!


Pumptrack Kamp-Lintfort

Auch der (fast) westlichsten Ruhrpott-Kommune Kamp-Lintfort hat das Christkind eine wahrhaft üppige Gabe noch weit vor dem Weihnachtsfest beschert: Satte 705.000 Euro fließen in das Pumptrack-Projekt Schirrhof.

Was wir von einer Anlage für fast eine 3/4 Millionen erwarten können, lässt der folgende Vorentwurf erahnen:

Vorentwurf PT KaLi (Quelle: Stadt Kamp-Lintfort)

Leider fehlen uns aktuell noch Stimmen vom unteren Niederrhein, aber die reichen wir hier zeitnah nach.


Ohne Wasser in den Wein gießen zu wollen, bleibt am Ende der Messe folgende Frage: Wer soll die ganzen Prachtstücke bauen? Soweit uns bekannt, gibt es keine zwei Hände voll Profis, die solche Projekte perfekt umsetzen können. Und Fördertöpfe gab es nicht nur in NRW. Also, keine Zeit vergeuden und Know-how sichern!


Hier findet ihr die komplette Übersicht der bewilligten Anträge:

Und hier nochmal die ursprüngliche Ausschreibung:

1Für die Jüngeren unter euch: Das ist ein Märchen, hat keinen Insta- oder Snap-Account und erschien früher vornehmlich als sogenanntes Buch 😉

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